• Traktionsalopezie

Traktionsalopezie

Eine Traktionsalopezie ist eine Form des Haarausfalls, die vorrangig Frauen betrifft. Es handelt sich dabei um keine Erkrankung. Anders als bei verschiedenen anderen Formen des Haarausfalls wie dem vernarbenden oder dem diffusen Haarausfall steckt auch keine Krankheit hinter dieser Alopezie. Dieser Haarausfall wird durch Ziehen an den Haaren verursacht. Frisuren können ebenso die Ursache sein wie sehr langes, schweres Haar.

Das Krankheitsbild der Traktionsalopezie

Die Traktionsalopezie ist keine Krankheit und hat auch keine Krankheit als Ursache. Der Haarausfall tritt durch Ziehen als mechanische Einwirkung auf. Frauen, die streng gebundene Pferdeschwänze oder Duttfrisuren tragen, sind besonders häufig betroffen. Auch Extensions oder Ziehen beim Frisieren können zu dieser Form des Haarausfalls führen.

Sie müssen jedoch auf einen Dutt und auf straff frisiertes Haar nicht verzichten, wenn Sie solche Frisuren nur hin und wieder tragen. Die Haare brechen an den beanspruchten Stellen ab, bis sie schließlich nicht mehr nachwachsen.

Es kann zu einer Schädigung der Haarfollikel kommen, die zu dauerhaft kahlen Stellen führt. Die Haare wachsen irgendwann an den geschädigten Stellen nicht mehr nach. Bis es zu einem dauerhaften Haarverlust an den entsprechenden Stellen kommt, vergeht zumeist eine längere Zeit.

Symptome der Traktionsalopezie

Es handelt sich bei dieser Alopezie um einen kleinen, lokal begrenzten Haarausfall. Anders als bei einem erblich bedingten Haarausfall, bei dem es zu Geheimratsecken, Glatze oder einem zurückweichenden Haaransatz kommt, oder bei einem diffusen Haarausfall, bei dem sich das Haar auf dem gesamten Kopf lichtet, sind bei einer Traktionsalopezie nur die Areale der Kopfhaut betroffen, an denen das Ziehen oder die Gewalteinwirkung eintritt.

Die Haarwurzel verkrümmt sich durch das ständige Ziehen. Irgendwann kommt es zu einem Wachstumsstopp. Die Haare wachsen umso dünner nach, je krümmer die Haarwurzeln an den betroffenen Stellen werden. Die Haare verlieren immer mehr an Spannkraft. An den beanspruchten Stellen kann die Kopfhaut trocken werden. Schuppen können sich bilden.

Die Haarproduktion kommt letztendlich an den entsprechenden Stellen vollkommen zum Erliegen. Neue Haare wachsen dann an diesen Stellen nicht mehr nach. Wo sich die Traktionsalopezie bemerkbar macht, hängt davon ab, an welchen Stellen die Haare am stärksten beansprucht werden.

Diagnose der Traktionsalopezie

Häufig können Sie selbst die ersten Anzeichen dieser Form des Haarausfalls feststellen, wenn Sie bemerken, dass an stark beanspruchten Stellen die Haare abbrechen. Beim Kämmen oder Bürsten können ganze Haarsträhnen ausgehen. Bemerken Sie kahle Stellen, dort, wo die Haare stark beansprucht werden, können Sie einen Hautarzt aufsuchen, um eine andere Erkrankung oder Form des Haarausfalls auszuschließen.

Der Hautarzt sieht häufig bereits anhand Ihrer Frisur und an den haarlosen Stellen, dass eine Traktionsalopezie vorliegt. Er wird Sie zu Ihren Gewohnheiten beim Frisieren der Haare, zu Ihren Lebensgewohnheiten, zu Vorerkrankungen und zur Einnahme von Medikamenten befragen, um festzustellen, welche Form des Haarausfalls bei Ihnen vorliegt.

Der Hautarzt wird sich die Kopfhaut anschauen. Eine Untersuchung der Kopfhaut mit einem Dermatoskop oder eine Blutuntersuchung erübrigt sich häufig, wenn der Hautarzt anhand des Haarbildes und Ihrer Frisiergewohnheiten eine Traktionsalopezie erkennt.

Ursachen der Traktionsalopezie

Zu einer Traktionsalopezie kommt es, wenn das Haar auf Dauer zu stark strapaziert wird. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, da sie häufiger streng gebundene Pferdeschwänze oder straffe Hochsteckfrisuren tragen. Es kommt jedoch noch nicht zu einer Traktionsalopezie, wenn Sie Ihr Haar nur hin und wieder hochstecken.

Ab einem Alter von 30 Jahren nimmt die Wahrscheinlichkeit für diese Form des Haarausfalls zu, da die Haarwurzeln schwächer und anfälliger werden. Nicht nur die Frisur an sich, sondern auch die Befestigung in Form von Haarspangen oder Clips kann das Haar stark strapazieren und zum Ausfall führen. Tragen Sie immer wieder solche Frisuren, müssen Sie mit einer Traktionsalopezie rechnen.

Weitere Ursachen können

  • häufige Dauerwelle
  • häufiges festes Aufwickeln der Haare auf Lockenwickler
  • häufiges Tragen von Extensions, die fest mit dem Haaransatz verbunden sind
  • starkes Ziehen an den Haaren beim Bürsten, Kämmen oder Föhnen
  • häufige Verwendung eines Glätteisens
  • häufiges Tragen von Kopfbedeckungen, Stirnbändern oder Sporthelmen
  • sehr langes Haar, das schwer wird und an den Haarfollikeln zieht
    sein.

Es ist einfach, die Ursachen zu erkennen und entsprechend zu meiden, um diese Form des Haarausfalls zu vermeiden.

Folgen der Traktionsalopezie

Diese Form des Haarausfalls ist keine Erkrankung und hat auch keine krankhaften Folgen. Im günstigsten Fall, wenn Sie Ihre Frisiergewohnheiten rechtzeitig ändern und Ihr Haar nicht mehr strapazieren, ist der Zustand reversibel. Ist es noch nicht lange her, dass die Haare an den beanspruchten Stellen ausgefallen sind, befinden sich die Haarfollikel noch in der Ruhephase.

Die Haare können dort wieder nachwachsen und die gewohnte Qualität haben. Schreitet der Haarausfall jedoch weiter fort, da Sie die Ursache nicht bekämpfen, wachsen die Haare nicht wieder nach. Da die Haare nur an bestimmten Stellen zu stark strapaziert werden und letztendlich ausfallen, breitet sich die Traktionsalopezie nicht über den gesamten Kopf aus. Sie verläuft nur regional.

Haben sich größere kahle Stellen gebildet, kann das ein ernsthaftes kosmetisches Problem sein und das Selbstwertgefühl beeinträchtigen. In schwerwiegenden Fällen kann es zu Depressionen kommen.

Wie Sie eine Traktionsalopezie vermeiden

Eine Traktionsalopezie können Sie, anders als andere Formen des Haarausfalls, selbst vermeiden, indem Sie Ihre Frisiergewohnheiten überdenken. Sie sollten Ihre Frisur häufiger wechseln und das Haar nicht zu straff zurückbinden. Auf häufige Hochsteckfrisuren, bei denen das Haar straff frisiert und befestigt wird, sollten Sie verzichten.

Tragen Sie gerne Extensions, sollten Sie Ihren Haaren eine Pause gönnen und immer wieder auf solche Verlängerungen verzichten. Beim Aufwickeln der Haare auf Lockenwickler ist darauf zu achten, dass die Haare nicht zu straff gewickelt werden. Dauerwellen oder Glätteisen sollten Sie nur hin und wieder anwenden. Beim Kämmen oder Bürsten ziehen Sie nicht zu stark.

Das Frisieren kann mit einer Entwirrungsbürste schonender und ohne stärkeres Ziehen erfolgen. Tragen Sie einen Dutt oder Pferdeschwanz und bemerken Sie Schmerzen wie Ziehen oder Druck auf der Kopfhaut, wird es Zeit, die Frisur zu lockern.

Behandlung und Therapie der Traktionsalopezie

Da es sich bei einer Traktionsalopezie nicht um eine Erkrankung handelt, ist eine ärztliche Behandlung nicht notwendig. Es gilt, Belastungen der Haare zu vermeiden und das Haar nicht zu stark zu strapazieren. Macht sich bei Ihnen bereits eine Traktionsalopezie bemerkbar, benötigen Ihre Haare erst einmal Ruhe. Tragen Sie langes Haar, ist es sinnvoll, es kürzer zu schneiden, damit es sich wieder erholen kann. Auf Pferdeschwänze, Hochsteckfrisuren, Haargummis oder Haarspangen sollten Sie eine Zeitlang verzichten.

Um dem strapazierten Haar Ruhe zu gönnen, verzichten Sie auf Farbe, Dauerwellen und zu heißes Föhnen. Die Einnahme von Zink, Selen oder Biotin kann das Wachstum der Haare auf dem gesamten Kopf und auf den betroffenen Stellen fördern. Mit dem richtigen Verhalten können Sie dazu beitragen, dass die Haare wieder wie gewohnt nachwachsen. Das erfordert etwas Geduld. Die Traktionsalopezie darf noch nicht weit fortgeschritten sein.

Bei den ersten Anzeichen einer Traktionsalopezie können Sie Haarwuchsmittel mit Minoxidil anwenden. Minoxidil wurde ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt. Das Haarwuchsmittel wird auf die Kopfhaut aufgetragen. Die Durchblutung der Kopfhaut wird gefördert. Die Haarfollikel werden wieder besser mit Nährstoffen versorgt. Ist der Haarausfall noch nicht weit fortgeschritten, können sich die betroffenen Stellen wieder regenerieren.

Die Haartransplantation als Option

Ist die Traktionsalopezie bereits weit fortgeschritten und wachsen die Haare an den betroffenen Stellen nicht mehr nach, können Sie an eine Haartransplantation denken. Die kahlen Stellen werden aufgefüllt. Für die Haartransplantation werden zumeist die Methoden Follicular Unit Transplantation (FUT) und Follicular Unit Extraction (FUE) angewendet.

Welche Methode bei Ihnen angewendet wird, hängt vom Zustand Ihres Haars ab. Bei FUT wird aus dem Hinterkopf ein Streifen der behaarten Kopfhaut entnommen und in kleine Grafts zerlegt. Die Entnahmestelle wird vernäht, wodurch eine bleibende Narbe entsteht. Diese Grafts werden in die vorbereiteten kahlen Stellen verpflanzt.

Die Methode FUE ist schonender, aber zeitaufwendiger als FUT. Mit einer Hohlnadel werden Grafts aus ein bis fünf Haarfollikeln aus der behaarten Kopfhaut entnommen und in die kahlen Stellen eingebracht. An den Entnahmestellen entstehen keine Narben. FUE kann mit einem Haarroboter präzisiert werden und noch schonender erfolgen.

Beide Methoden der Haartransplantation werden in lokaler Betäubung ausgeführt. Nach der Haartransplantation kommt es auf das richtige Verhalten an, damit die Transplantate nicht wieder herausgezogen werden. Erst nach etwa einem Jahr ist das endgültige Ergebnis sichtbar. Um eine erneute Traktionsalopezie zu vermeiden, sollten Sie Ihr Haar nicht zu stark strapazieren.

Fazit: Traktionsalopezie lässt sich vermeiden

Eine Traktionsalopezie ist eine Form des Haarausfalls, die lokal begrenzt auftritt, wenn das Haar zu stark strapaziert wird. Tragen Sie Ihr Haar ständig straff frisiert mit Dutt oder Pferdeschwanz, wickeln Sie das Haar häufig straff auf Lockenwickler auf oder tragen Sie Extensions, müssen Sie mit einer Traktionsalopezie rechnen. Diesen Haarausfall können Sie vermeiden, indem Sie Ihre Haare schonender behandeln.